Bavarian Nordic A/S

Übernahmekampf bei Bavarian Nordic schon entschieden?

Der Impfstoffentwickler Bavarian Nordic soll für rund 2,3 Mrd. Euro von einem Investorenkonsortium übernommen werden. Von der Übernahme und den möglichen Folgen wären auch einzelne Standorte betroffen, so zum Beispiel der größte außerhalb Dänemarks in der Region München mit 300 Beschäftigten.

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Tobt die Übernahmeschlacht noch oder ist sie schon entschieden? Dem bisherigen Widerstand des Hauptaktionärs ATP Private Equity Partners, dem Investitionsarm des dänischen Pensionfonds, der mehr als 10% Anteile an Bavarian Nordic hält, war eine gewisse Chance eingeräumt worden, den Übernahmepreis noch deutlich nach oben zu verhandeln oder den Finanzinvestoren die Übernahmelust vollends zu vertreiben. Doch nun wurde dieser Widerstand vor wenigen Tagen durch die Absenkung der Zustimmungsquote auf 75% (statt bisher 90%) ausgebremst.

Bavarian Nordic beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter und hat sich in den vergangenen fünf Jahren von damals etwa 600 Beschäftigten gewaltig vergrößert. Ein Ergebnis der Pandemie, denn auch in Kopenhagen und an den internationalen Forschungsstätten des Impfstoffentwicklers wurde an einem COVID-19-Vakzin gearbeitet. Doch der starke Aufschwung hat auch mit anderen Infektionskrankheiten zu tun, etwa mit der Ausbreitung von MPox, ehemals Affenpocken.  Mit einem bereits zugelassenen Pocken-Impfstoff war Bavarian Nordic in der idealen Position, eine Indikationserweiterung zu erreichen, da die Immunisierung auch gegen MPox half.

Die bereits bestehenden großen Lieferverträge, insbesondere mit der US-Armee in Sachen Pockenimpfstoff, wurden daraufhin zügig aufgestockt, um auch den Gefahren von MPox zu trotzen. Für Bavarian Nordic hieß dies, eine gewaltige globale Impfstoffnachfrage schnell befriedigen zu müssen, dabei aber auch die eigene Forschungsaktivität nicht schleifen zu lassen. Denn auch ein Chikungunya-Impfstoff war in der Pipeline, der im Wettlauf mit demjenigen von Valneva SE nur kurze Zeit später ebenfalls die Zulassung erhielt, ohne jedoch später in Turbulenzen über Sicherheitsaspekte zu geraten.

Gute Zahlen wecken Interesse

Entsprechend gut sehen die Geschäftszahlen aus. Für das erste Halbjahr meldete Bavarian Nordic ein deutliches Wachstum: Die Umsätze stiegen um ein Drittel auf knapp 3 Mrd. DKK (402 Mio. Euro). Die EBITDA-Marge vor Sondereffekten lag mit 32% klar über dem Zielkorridor von 26–30%. Wesentlicher Treiber ist das Reiseimpfstoff-Geschäft, Chikungunya und andere Vakzine. Für das Gesamtjahr präzisierte das Unternehmen seine Umsatzprognose auf 6,0–6,6 Mrd. DKK (804–884 Mio. Euro). Ein Sondereffekt durch den Verkauf eines Priority Vouchers in Höhe von 810 Mio. DKK (etwa 90 Mio. Euro) wird zusätzlich Geld in die Kasse spülen.

All das sind Informationen, die das Interesse von Finanzinvestoren wecken können. Was diese dann genau mit dem Unternehmen vorhaben, ist derzeit nur in soweit bekannt, dass eigentlich alles beim Alten belassen werden solle, Zielrichtung, Management, Standorte und die Firma nur von der Börse genommen werde. Gewöhnlich dient ein solcher Vorgang dazu, in einigen Jahren dann mit einem erneuten IPO große Kasse zu machen, doch das wird die Zukunft zeigen.

Im Großraum München harren über 300 Beschäftigte an den Forschungs- und Entwicklungsstandorten Martinsried und Gräfelfing dem weiteren Lauf der Dinge, der sich bis Ende September endgültig entscheiden soll. Dann wird sich zeigen, ob die nötige Mehrheit der Aktionäre dem jetzigen Angebot zustimmen wird. Im Augenblick spricht alles dafür und auch aus München ist zu vernehmen, dass der „Zug eindeutig in diese Richtung“ fahre. Ob die Anti-Impf-Haltung des US-amerikanischen Gesundheitsministers Kennedy auch die Lieferverträge der Streitmächte und damit die zukünftige Geschäftsentwicklung von Bavarian Nordic beeinträchtigen könnte, solche Diskussionen kann man wohl erst wieder führen, wenn sich der Übernahmenebel endgültig gelichtet hat.

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